Indien und China: Hoffnungsschimmer oder Fatamorgana?

Indiens und Chinas Produktionsdaten haben sich im Monat Dezember leicht verbessert. Beobachter sehen darin ein Zeichen der Hoffnung, dass die mit der schnellsten Geschwindigkeit wachsenden Ökonomien der Welt Europas Staatsschuldenkrise trotz aller Unkenrufe widerstehen könnten. Doch weiterhin auf einem zu hohen Niveau liegende Inflationsraten und eine sich allgemein abschwächende Weltwirtschaft scheinen diesen Prognosen einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Indien und China müssen weiter mit hohen Raten wachsen, um die Weltwirtschaft am Laufen zu halten

Indiens Einkaufsmanagerindex kletterte von 51 Punkten im November auf 54,2 Punkte im Dezember – und vollzog damit den größten Anstieg seit sechs Monaten, wie HSBC Holdings und Markit Economics in dieser Woche in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Chinas viel beachteter Einkaufmanagerindex notierte im Dezember bei 50,3 Punkten nach vormals 49 Punkten im November, wie die in Peking ansässige Logistics Federation zu Beginn dieses Jahres mitteilte. Ein Wert oberhalb von 50 deutet auf eine Expansion der nationalen Wirtschaft hin. Allerdings könnte Europas Staatsschuldenkrise die Nachfrage für in Asien gefertigte Güter auch weiterhin verlangsamen, da der Subindex für Chinas Exportaufträge im Dezember den dritten Monat in Folge unter einer Schrumpfung litt. Indiens ökonomisches Wachstum dürfte in den kommenden Monaten dagegen unter höheren Kreditkosten und einer sich abschwächenden Weltwirtschaft leiden, wie aus dem Bericht von HSBC und Markit weiter hervorgeht. Indiens Rupie, Asiens sich im Jahr 2011 am schlechtesten entwickelnde Währung, sank daraufhin gegenüber dem US-Dollar um weitere 0,5% auf 53,31.

Chinas Aktienbarometer Shanghai Composite Index sank in 2011 um 22% und vollzog damit den größten Rückgang seit dem Jahr 2008. Die Anleger wurden hauptsächlich von der Sorge getrieben, dass eine striktere Kreditvergabe der Banken, eine daraus resultierende Liquiditätsverknappung und politischen Bemühungen, die Grundstückspreise in den großen Metropolen Chinas zu zügeln, das heimische Wachstum drosseln könnten. Seit dem Jahr 2009 hat der Index sogar um 33% nachgegeben, was ihn zum schlechtesten Performer unter den 15 größten Weltmärkten macht. In China führten vor allem die Auswirkungen der in den westlichen Industrieländern und in China veranstalteten Neujahrsfestivitäten zu einer Unterstützung des heimischen Einkaufsmanagerindexes, wie die Logistics Federation mitteilte. China hatte zuletzt einige Sparmaßnahmen zurückgenommen, um das Wachstum seiner Wirtschaft anzukurbeln. Im November 2011 kam es erstmals seit dem Jahr 2008 zu einer Reduzierung der Mindestreserveanforderungen für die heimischen Banken durch die Zentralbank.

Der Subindex zur Messung der chinesischen Exportaufträge legte im Dezember zwar auf 48,6 Punkte gegenüber 45,6 Punkten im November zu, verharrte damit jedoch auch den dritten Monat in Folge unterhalb der wichtigen Marke von 50 Punkten, die Wachstum und Schrumpfung voneinander trennt. Die Produktion inländischer Fabriken befand sich den zweiten Monat in Folge im Rückwärtsgang. Allerdings wies HSBC darauf hin, dass sich das Tempo des chinesischen Produktionsrückgangs abzuschwächen beginne. Indiens Produktionsaktivitäten kämen laut HSBC vor allem über eine Zunahme der Produktionsmengen und das Eingehen neuer Aufträgen wieder auf die Füße. Der inflationäre Druck bleibe jedoch bestehen und lasse der indischen Zentralbank keinen Raum, um ihre striktere Geldpolitik in der nächsten Zeit zu lockern. Die Jahresprognose des Verbands der indischen Fahrzeughersteller zum inländischen Automobilabsatz könnte sich als Schall und Rauch erweisen, da höhere Zinsen und steigende Benzinpreise die Nachfrage der heimischen Produzenten minimieren.